Mit Hilfe der psychoanalytischen Grundannahmen des Unbewussten und des Konflikts, so die leitende Vorstellung dieser Fortbildung, können sexuelle und geschlechtliche Leidenszustände in einer seelischen Tiefenschicht verstanden und in der therapeutischen oder auch beraterischen Arbeit gelindert werden. Da das Sexuelle jedoch keine ahistorische Größe ist, sondern einem kontinuierlichen gesellschaftlichen Wandel unterliegt, müssen sich psychoanalytisches Denken und Handeln immer wieder neu auf die sexuellen Erscheinungsformen ihrer Epoche einstellen. Die unrühmliche Geschichte der Pathologisierung von Homosexualität und Transgeschlechtlichkeit lehrt dabei, dass die Psychoanalyse sich auch kritisch selbst befragen muss, wenn sie sexuelles Leiden nicht noch vergrößern möchte.
Die aus vier Blockwochenenden bestehende Fortbildung wird eine Einführung in psychodynamische Verstehens- und Behandlungsansätze für unterschiedliche geschlechtliche und sexuelle Erscheinungen und Leidenszustände bieten. Das erste Blockwochenende wird unter dem Titel „Was ist Sexualität?“ psychoanalytische Theorien der Sexualität vorstellen und Praxiseinblicke in die therapeutische Arbeit und das Sprechen über Sexualität bieten. Die folgenden beiden Blockwochenenden werden sich spezifischen Erscheinungsformen und Konflikten der weiblichen respektive männlichen Sexualität widmen. Das letzte Wochenende wird von der klinischen Arbeit mit transidenten Patient:innen handeln.
Bei der Fortbildung handelt es sich um den zweiten Zyklus der erstmals 2024 gestarteten Fortbildungsreihe. Mit Ausnahme des Auftaktwochenendes wird sich dieser zweite Zyklus neuen Themenschwerpunkten zuwenden. Die Termine können auch einzeln gebucht werden. (Für Interessierte, die bereits am letzten Durchgang teilgenommen haben, empfiehlt sich entsprechend, nur die Termine 2 bis 4 zu buchen.)
1. Block: Was ist Sexualität?
2. Block: Weibliche Sexualität
3. Block: Psychoanalyse der Männlichkeit
4. Block: Psychoanalyse der Trans*identitäten

Im Vorfeld der Sitzungen werden einzelne Texte als Lektüreempfehlung versandt.
Die Fortbildung richtet sich an Psychotherapeut:innen, Berater:innen, Pädagog:innen, Sozialarbeiter:innen und Interessierte.
Alle Wochenendeblöcke sind einzeln buchbar.
Pro Wochenendblock sind 7 Seminareinheiten (Freitag 14.00-19.00 Uhr; Samstag 9.00-16:30 Uhr) geplant.
Das erste Wochenende wird sich unterschiedlichen Erscheinungsformen des Sexuellen in der psychoanalytischen Theorie und der klinischen Praxis widmen. Dazu werden einerseits psychoanalytische Modelle des Sexuellen vorgestellt und diskutiert (u.a. Freud, Laplanche...). Andererseits wird das Sprechen über Sexualität in der klinischen Praxis selbst zum Gegenstand genommen. Die therapeutische Haltung im Umgang mit sexuellen Problemen wird anhand von Fallbeispielen thematisiert. Die Teilnehmer:innen sind auch eingeladen, eigene Fallbeispiele einzubringen.
In der psychoanalytischen Theorie wird die „Sexualität“ eines Menschen als etwas Gewordenes verstanden, das sich, von Beginn an in Beziehung zu „Anderen,“ erst entwickelt. Entsprechend soll in diesem Seminar „Weibliche Sexualität“ nicht als Abbild einer vermeintlich festgeschriebenen kategorialen Realität gefasst und verstanden werden, sondern als eine sich ständig erneuernde, allerdings sehr wirkmächtige soziale „Konstruktion“. Psychoanalytische Entwicklungstheorie, in der die individuelle, in weiten Teilen unbewusste Aneignung des (geschlechtlichen) Körpers eine große Rolle spielt, soll genutzt werden, um die Erscheinungsformen „weiblicher“ Sexualität besser zu verstehen und ggf. psychodynamisch behandeln zu können. Themen des Seminars sind „Die ödipale Entwicklung der Frau“, „Das Hysteriekonzept nach Rupprecht-Schampera“, „Homo,- Hetero,- Bisexualität der Frau“, „Weibliche Perversion“, „Mutterschaft, Schwangerschaft, Reproduktion“ sowie „Sexuelle Funktionsstörungen der Frau“. Dabei soll möglichst unterschiedliches Fallmaterial vorgestellt und diskutiert werden, die Teilnehmenden sind ausdrücklich eingeladen, eigenes Fallmaterial einzubringen.
Die Fortbildung wird typische Konflikte der männlichen psychosexuellen Entwicklung und häufige dazugehörige – mehr oder minder gelingende – Lösungsstrategien aus klinisch-psychoanalytischer Perspektive aufgreifen. Jede der 7 geplanten Sitzungen wird durch klinisch relevante Inputtexte eingeleitet, die verschiedentlich anhand von Fallmaterial konkretisiert werden. Es wird auch Raum für die Teilnehmenden geben, eigene Behandlungsfälle einzubringen. Die gesamte Fortbildung fokussiert eine Vielzahl relevanter Themen, die aber letztlich eng miteinander sind. U.a. geht es um die „Klippen der männlichen Entwicklung“ (Kastrationsangst, Entidentifizierung von der Mutter und Neid auf die Weiblichkeit). Besonderes Augenmerk gilt der Entwicklung der männlichen Geschlechtsidentität, der männlichen Perversionsneigung, dem Hang zum Pornokonsum, überhaupt der Sucht nach sexueller Stimulation, der männlichen Aggressionsneigung und den Folgen ihrer übermäßigen Hemmung. Es soll aber auch ums Vaterwerden und um Vaterschaft gehen, sowie um spezifische Entwicklungsprobleme von Jungen in modernen westlichen Kulturen.
Über viele Jahrzehnte war der Umgang mit transidenten Menschen geprägt von Pathologisierung, Begutachtung und Vermischung psychotherapeutischer, medizinischer und juristischer Komponenten. Erst in den letzten Jahren hat sich auch in der Psychoanalyse eine Entwicklung der Entpathologisierung gezeigt, die dazu führt, dass sich mehr transidente Menschen auch in psychoanalytische Therapiekontexte wagen. Gleichzeitig ist das Verhältnis zwischen trans* und Psychoanalyse kein unkompliziertes und von vielen Ängste und Unsicherheiten auf beiden Seiten der Couch geprägt. Sich diesen Schwierigkeiten zu nähern und eine eigene psychoanalytische Haltung zum Umgang mit Trans*identäten zu entwickeln soll Teil der Fortbildung sein. Hierfür wird es einerseits einen geschichtlichen Überblick über die medizinischen und juristischen Entwicklungen und den aktuellen rechlichen Rahmen geben und welchen Einfluss dies bis heute auf die sogenannten Begleittherapien, aber auch auf psychoanalytische Behandlungen während und nach medizinischer und/ oder sozialer Transition hat. Desweiteren wird es darum gehen, anhand von Fallbeispielen unterschiedliche Trans*Lebensläufe, verschiedene Therapieansätze (u.a. Gruppe vs. Einzel) und theoretische Überlegungen zu diskutieren sowie Spezifika bei Erwachsenen- und Kinder-/ Jugendlichen-Behandlungen aufzugreifen. Die Teilnehmenden sind herzlich eingeladen, eigenes Fallmaterial einzubringen.
Preis pro Wochenendeblock:
300 € regulär
190 € für Kandidat:innen, Studierende oder Mitarbeiter der IPU-Hochschulambulanz (mit Nachweis)
Für die Veranstaltung werden Fortbildungspunkte bei der Psychotherapeutenkammer Berlin beantragt.
Die Teilnehmendenanzahl beträgt max. 20 Personen.
Bitte melden Sie sich über das Formular an:
Die Anmeldefrist für den 16./17.Mai 2025 "Was ist Sexualität?" - 1. Block endet am 01.Mai 2025.
Sollten Sie hierzu Fragen haben, wenden Sie sich gerne an folgende E-Mail-Adresse: fortbildung(at)ipu-berlin.de
Abmeldung/Rücktritt
Eine Abmeldung muss schriftlich bis zum Ablauf des 14. Tages vor Veranstaltungsbeginn erfolgen. Bis dahin können Sie Ihre Teilnahme kostenlos stornieren und erhalten die von Ihnen bereits gezahlten Teilnahmegebühren vollumfänglich erstattet. Nach Ablauf des 14. Tages ist eine Rückerstattung ausgeschlossen. Sie können jedoch eine Ersatzperson mit der erforderlichen Qualifikation benennen, die Ihren Platz einnimmt.
Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!